Mit dem BiNavi Ultra* schickt iGPSPORT ein Flaggschiff-Fahrradcomputer ins Rennen. Das Gerät baut auf den positiven Eigenschaften von BSC500 und BiNavi auf, kombiniert beide Ansätze und ergänzt sie an einigen Stellen deutlich. Hardwareseitig ist praktisch alles verbaut, was man sich wünschen kann – und auch auf Softwareseite werden zahlreiche Funktionen geboten.
Preislich positioniert sich iGPSPORT rund bei 400 Euro (UVP) und tritt damit in Konkurrenz mit der Klasse um den Garmin Edge 1050 und den Wahoo ELEMNT ACE* an. Klingt auf dem Papier zunächst beeindruckend – aber hält das Gerät diesen Anspruch auch auf dem Rad in der Praxis?
Im Rahmen des iGPSPORT BiNavi Ultra Tests wurde der Fahrradcomputer über einen Zeitraum von gut sechs Wochen im Training genutzt. Besonders im Fokus stand dabei der praktische Einsatz, das Display, die Navigation inklusive Re-Routing, die Bedienung über die digitale Krone sowie die Akkulaufzeit. Wichtig zu wissen: Getestet wurde vor dem offiziellen Marktstart mit einer Pre-Release-Firmware, die zum Testzeitpunkt noch nicht sämtliche angekündigte Funktionen beinhaltete – Details folgen im relevanten Abschnitt.
Lieferumfang
Der Fahrradcomputer kommt in einer hochwertigen Verpackung an und bietet hier schon einen guten Ersteindruck.
Der Lieferumfang fällt für heutige Standards außergewöhnlich umfangreich aus. Neben dem Fahrradcomputer selbst sind auch zwei Fahrradhalterungen, ein Ladekabel, eine Schutzhülle sowie weiteres Zubehör in der Verpackung enthalten – in der heutigen Zeit keine Selbstverständlichkeit.
Damit ist praktisch alles vorhanden, um sofort loszulegen.
Design, Verarbeitung und Bedienung
Bereits beim Auspacken fällt auf: Der BiNavi Ultra* fühlt sich wie ein Premium-Produkt an. Das Gehäuse besteht vollständig aus Metall – einschließlich der Knöpfe – und hinterlässt einen entsprechend wertigen Eindruck. Die Verarbeitung ist sauber, im gesamten Testzeitraum konnten keinerlei Mängel festgestellt werden.
Im Vergleich zum normalen BiNavi, der rund anderthalb Jahre vor der Ultra-Version erschien, fällt das neue Gehäuse etwas größer und knapp 20 Gramm schwerer aus. Der Grund liegt auf der Hand: Das Display ist größer, und an der Seite sitzt jetzt eine digitale Krone.
Diese Krone ist eines der Alleinstellungsmerkmale des Geräts. Bei Fahrradcomputern ist sie bisher ansonsten nur am COROS DURA verfügbar. Das Prinzip lässt sich wie bei einer Apple Watch vorstellen: Gedreht wird zum Scrollen, gedrückt zum Bestätigen oder zur Auswahl von Elementen. Beim Drehen gibt es allerdings kein mechanisches Feedback – ein spürbares Feedback existiert lediglich beim Drücken. Im Alltag stört dies aber nicht unbedingt. Im Praxistest erwies sich gerade beim Zoomen in der Kartenansicht die deutlich zuverlässigere Bedienung im Vergleich zum Touchscreen bei Fahrtwind und Rüttelbewegungen.
Einrichtung und Konfiguration
Die Kopplung läuft gewohnt unkompliziert über die iGPSPORT-App. Das Gerät wird dort ohne Verzögerung gefunden, die gewohnten Einstellungsmöglichkeiten lassen sich konfigurieren und direkt mit dem Fahrradcomputer synchronisieren. Wer bereits andere Modelle des Herstellers kennt, findet sich sofort zurecht. Die Einstellungsmöglichkeiten sind vielfältig: es gibt sehr viele Datenfelder und Darstellungsoptionen. Hier findet jeder sein passendes Setup.
Eine spürbare Verbesserung im Alltag ist das integrierte WLAN: Firmware-Updates werden über das drahtlose Netzwerk heruntergeladen und deutlich schneller aufgespielt als über Bluetooth. Gerade bei größeren Aktualisierungen ist das ein konkreter Praxivorteil gegenüber Geräten, die noch ausschließlich über Bluetooth aktualisiert werden.

Analog zum normalen BiNavi sind Trainingsfunktionen und Trainingspläne integriert. Erinnerungen lassen sich dabei auf Basis verschiedener Werte konfigurieren. So kann beispielsweise ein Reminder für die Gelversorgung auf längeren Einheiten gesetzt werden.
Display im Praxistest
Das 3,7 Zoll große Display ist ein klarer Schritt gegenüber dem normalen BiNavi. Neben der Größe hat sich auch die Schärfe deutlich verbessert – das Ultra bietet eine wesentlich bessere Auflösung. Statt 320 × 480 Pixeln beim BiNavi stehen hier 480 × 854 Pixel zur Verfügung. Entscheidend für den Alltag ist aber vor allem: Das Display ist im Vergleich zum BiNavi deutlich heller.
Während des gesamten sechswöchigen Testzeitraums gab es keine einzige Situation, in der Karten, Datenfelder oder Navigationshinweise schlecht abzulesen gewesen wären. Auch bei direktem Sonnenlicht blieb der Bildschirm problemlos lesbar. Wer von einem anderen dunkleren Fahrradcomputern kommt, dürfte hier eine deutliche Verbesserung vorfinden.
Navigation und ReRouting im Alltag
Die Navigation funktioniert bei iGPSPORT-Produkten erfahrungsgemäß wie erwartet – das gilt auch für den BiNavi Ultra*. Je nach gewählter Einstellung werden Navigationshinweise auch auf anderen Ansichten eingeblendet, sodass nicht dauerhaft auf der Kartenansicht verbleibt werden muss, um die aktuell anstehenden Abbiegehinweise zu sehen.
Das Re-Routing funktioniert ebenfalls wie erwartet: Wird die geplante Route verlassen, berechnet der BiNavi Ultra wenige Sekunden später eine alternative Strecke. Die Neuberechnung geschieht dabei nicht still im Hintergrund, sondern wird dem Nutzer dediziert angezeigt. Je nachdem, wie weit sich die aktuelle Position von der Route entfernt hat, führt die Berechnung entweder zur ursprünglichen Strecke zurück oder zum nächstbesten Einstiegspunkt. Im Test hat das genau wie erwartet funktioniert.
Unterstützt wird das Navigationssystem durch die Offline-Karten, die ebenfalls über das integrierte WLAN deutlich schneller aktualisiert werden können als bisher teils üblich. Als besonderes Alleinstellungsmerkmal verfügt das Ultra über eine interne Navigation, die Position und Geschwindigkeit auch dann weiter verfolgt, wenn kein GPS-Signal besteht – in Tunnels, dichten Wäldern oder tiefen Straßenschluchten. Ein solches Feature findet sich nach aktuellem Stand bei keinem anderen Fahrradcomputer. Einen eigenen Stress-Test dieses Teilbereichs hat es im Rahmen dieses Tests jedoch nicht gegeben – hier lässt sich daher keine eigene Praxisaussage ableiten. Das dürfte aber für ambitionierte Fahrer durchaus relevant sein.
iClimb 4.0, Route Collections und praktische Software-Extras
Für viele Sportler sind Steigungs-Informationen ein großes Thema: Wie lang ist der Anstieg noch? Wie steil wird es? Mit iClimb 4.0 adressiert der BiNavi Ultra genau das – und modernisiert dabei einen bekannten Ansatz. Bisher konnte iClimb die Steigungsanzeige nur darstellen, wenn aktiv einer geplanten Route gefolgt wurde. In Version 4.0 liegt der Fokus erstmals auch auf Fahrten ganz ohne Navigation.
Eine kleine Einschränkung gibt es allerdings: In den Einstellungen ist zu wählen, ob die Kletter-Anzeige für Fahrten mit aktiver Navigation oder für Fahrten ohne Navigation aktiviert wird. Beides gleichzeitig ist zum Testzeitpunkt nicht möglich. Wer regelmäßig zwischen beiden Modi wechseln möchte, muss je nach Fahrt in die Konfiguration gehen – nicht dramatisch, aber ausbaufähig.
Ein weiterer sehr interessanter Punkt sind die Route Collections. Es lassen sich bis zu 12 Routen in eine Collection speichern und – speziell beim Ultra – auf der Karte anzeigen und automatisch starten. Das gibt es bei anderen Fahrradcomputern noch nicht. Besondern interessant für ein anstehendes Sportevents mit mehreren Etappen. So könnte ein Event in mehrere Teile gesplittet werden, und bei Befahren kann dies gestartet werden. Wenn mehrere am selben Punkt existieren, kann die gewünschte Route ausgewählt werden.

Die bereits im BSC500 eingeführte integrierte Klingel findet sich auch im BiNavi Ultra* wieder – eine Funktion, die im Alltag schnell an Bedeutung gewinnt. Aktiviert wird sie beispielsweise per Doppeltippen auf das Display oder über eine frei belegbare Taste der Shimano-Di2-Schaltung. Im Test funktioniert die Klingel wie vorgesehen; ein wenig lauter dürfte sie allerdings gerne sein.
Ebenfalls an Bord ist nicht nur eine Musiksteuerung des Smartphones, sondern direkt über das Gerät – die Musik liegt dabei auf dem Fahrradcomputer. Darüber hinaus ist die Featureliste des BiNavi Ultra insgesamt sehr lang – nicht jede einzelne Funktion konnte im Rahmen dieses Tests behandelt werden. Sollten zu einem konkreten Feature Informationen oder ein spezieller Test gewünscht sein, gerne in den Kommentaren melden.

Wichtig in diesem Kontext: Der BiNavi Ultra wurde vor dem offiziellen Release mit einer Pre-Release-Firmware getestet. Damit standen zum Testzeitpunkt noch nicht alle angekündigten Funktionen zur Verfügung. Besonders interessant sind hier die Strava-Live-Segmente, die in diesem Test noch nicht detailiert berücksichtigt wurden.

Für die Nutzung der Strava Live Segmente ist aufgrund der Beschränkungen seitens Strava eine kostenpflichtige Mitgliedschaft erforderlich. Unterstützt werden sollen bis zu 99 Segmente – für die meisten Nutzer dürfte das ausreichend sein.
Darüber hinaus sind weitere Funktionen für die kommenden Monate bereits avisiert.
Akkulaufzeit im Test
Ein weiterer wichtiger Punkt im Alltag ist die Akkulaufzeit. Im Test wurden sämtliche Energiesparfunktionen deaktiviert. Unter diesen Bedingungen wurden pro Trainingsstunde ungefähr 4 Prozent Akkuladung verbraucht.

Hochgerechnet lassen sich damit realistisch um die 25 Stunden Betrieb ohne Energiesparoptionen erwarten – Werte, mit denen auch längere Ausfahrten ohne nachdenkliches Aufladen zwischen den Sessions problemlos möglich sind. Mit aktivierten Energiesparfunktionen sollten noch deutlich längere Laufzeiten erreichbar sein; diese Konfiguration wurde im Rahmen dieses Tests allerdings nicht gezielt gemessen.
Sollte der Akku mal leer gehen, ist der Akku in weit unter 2 Stunden wieder voll. Geladen wird natürlich mit USB-C.
iGPSPORT BiNavi vs. BiNavi Ultra: Die wichtigsten Unterschiede
Rund anderthalb Jahre nach dem ursprünglichen BiNavi legt iGPSPORT mit dem Ultra-Modell nach. Damit stellt sich zwangsläufig die Frage: Lohnt sich der Aufpreis, und wer profitiert tatsächlich davon? Die nachfolgende Übersicht fasst die wesentlichen Unterschiede zwischen den beiden Modellen zusammen.
Beim Display wird der technische Fortschritt am deutlichsten sichtbar: Die Auflösung wächst von 320 × 480 auf 480 × 854 Pixel – bezogen auf die Gesamtpixelzahl ist das fast eine Verdreifachung bei gleichzeitig größerer Diagonale. In der Praxis bedeutet das schärfere Datenfelder und detaillierteres Kartenmaterial. Hinzu kommt die im Praxistest spürbar höhere Helligkeit.
Beim Gewicht schlägt die Ausstattung leicht durch: 122 Gramm statt 103 Gramm. Die Differenz von knapp 20 Gramm dürfte im Alltag jedoch kaum ins Gewicht fallen – dafür bekommen Nutzer das größere Display, das Metallgehäuse und die digitale Krone.
Ein spürbarer Alltagsvorteil ist zudem die erweiterte Musiksteuerung. Während der normale BiNavi ausschließlich Musik vom verbundenen Smartphone steuern kann, lassen sich am Ultra auch Titel bedienen, die direkt auf dem Fahrradcomputer liegen. Für alle, die auf langen Einheiten gerne mit eigener Musik aber ohne Smartphone unterwegs sind, ist das ein echter Mehrwert.
Unterm Strich betreffen die Unterschiede fast alle Bereiche, die im Alltag relevant sind – von der Ablesbarkeit des Displays über die Bedienung bis hin zu Update-Geschwindigkeit und Zusatzfunktionen. Wer den Fahrradcomputer überwiegend für einfache Trainingsaufzeichnung und gelegentliche Navigation nutzt, ist mit dem normalen BiNavi weiterhin gut bedient. Ambitionierte Fahrer, die regelmäßig navigieren, viel mit Offline-Karten arbeiten oder einen möglichst hochwertigen Allrounder suchen, profitieren dagegen von nahezu allen Neuerungen. Wer diese Funktionen benötigt, für den kann sich der Aufpreis gegenüber dem BiNavi lohnen.
Fazit zum iGPSPORT BiNavi Ultra Test
Der iGPSPORT BiNavi Ultra* hat im Test gezeigt: Der Titel „Flaggschiff“ ist berechtigt. Sowohl die Hardware als auch die Software-Seite spielen mit am oberen Ende des Segments. Das große, helle Display gehört neben der Metallverarbeitung und der digitalen Krone zu den klaren Pluspunkten, Navigation und Re-Routing funktionieren im Alltag so zuverlässig, wie es sich ambitionierte Radfahrer wünschen. In der Praxis fällt schwer, etwas zu vermissen.
Kleinere Abstriche zeigen sich im Detail: das fehlende physische Feedback beim Scrollen über die digitale Krone, iClimb 4.0 mit der Entscheidung zwischen Kletter-Anzeige mit oder ohne Navigation sowie einzelne Funktionen die zum Testzeitpunkt aufgrund der Pre-Release-Firmware noch nicht verfügbar waren. All diese Punkte sind keine tatsächlichen Probleme im Alltag, sondern Feinheiten, die den Funktionsumfang oder das hier genutzte Testsetup betreffen, nicht die Alltagstauglichkeit.
Viel an dieser Stelle ist ohnehin Geschmackssache: Ob die Art der Umsetzung einer Funktion persönlich zusagt, ist eine Frage der Philosophie – und gerade die großen Anbieter unterscheiden sich hier spürbar voneinander. Der Garmin Edge 1050 und der Wahoo ELEMNT ACE, die direktesten Konkurrenten, bringen jeder für sich eigene Stärken und Eigenheiten mit.
Am Ende richtet sich der BiNavi Ultra* klar an ambitionierte Radfahrer, Ausdauersportler und Athleten, die an ihren Fahrradcomputer hohe Ansprüche stellen. Für sie bietet das Gerät für rund 400 Euro ein durchdachtes Gesamtpaket mit umfangreicher Ausstattung und einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis – und gehört damit in die engere Auswahl. Gegenüber dem normalen BiNavi ist das Ultra ein klares Upgrade.


















